peter baumgartner
Aspekte der Freien Improvisation: 11.2. - 2.6.2007
 
   
 
 
 

 

Aspekte der Freien Improvisation

vom Potential einer musikalischen Geste
In der kleinsten musikalischen Geste schlummert oft im Keim eine ganze Oper.
Wird ein wacher Geist das Mögliche hörend erkennen und mit leidenschaftlichem Geschick die bezauberndsten Klänge und phantastischsten Welten schöpfen?
In unserer Reihe „Aspekte der Freien Improvisation“ suchen wir mit unseren Gästen und dem Publikum neue Wege der Auseinandersetzung mit musikalischen Grundfragen.

Hansjürgen Wäldele, Nicolas Rihs und Gäste

 

4. Matinee:

Hansjürgen Wäldele, Nicolas Rihs und Peter Baumgartner
Musikakademie, Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Base
Sonntag, 13. Mai 2007, 11.00 – 12.30 Uhr

 

 

Kritik der Geste

In meiner Arbeit wird es vor allem um eine Kritik der Geste gehen, die Kritik aber verstanden als Dienst an demjenigen, was hinter der Geste versteckt oder unter ihr begraben liegt.
Ich sehe die Improvisation/Kommunikation als zweischichtiges Phänomen: die Oberflächenschicht der Gesten (oder der Rhetorik) und der unmittelbaren Reaktionen aufeinander - und eine Tiefenschicht, die ich als "Resonanzschicht" bezeichnen werde. Ich meine damit sowas wie "gegenseitiges Verständnis" oder "Gruppenfeeling" (es geht dabei auch um das Wach- oder Mobilisiertwerden durch die sich entwickelnde Kommunikation).
Dabei vermute ich, dass die Entwicklung der zweiten, die ich als "Resonanzschicht" bezeichne, durch ein intensives Agieren auf der Gestenebene nur bedingt zu fördern ist, dass vielmehr Gelassenheit und eine bewusste Zurückhaltung an der Oberfläche den Untergrund quasi nach oben holen und direkter erfahrbar und behandelbar machen.
Die "Kritik der Geste" wird dabei auch über eine Thematisierung der Angst und der Flucht vor tiefgreifender Auseinandersetzung geschehen: was treibt uns so oft dazu, über weite Entfernungen hinweg gestikulierend mit dem Zaunpfahl zu winken, wenn wir uns auch einfach annähern könnten ? Martin Heidegger hat dafür ein sehr schönes und genaues Wort: ent-fernen.

Peter Baumgartner

 

Peter Baumgartner (bloom)
Seit der Matur Autodidakt, Beschäftigung mit Sprache, Kommunikation, Wahrnehmung, Psychologie, Philosophie, Musik und Literatur.
Lebt und arbeitet seit 1990 im Grossraum Basel.
Ab 1998 Auftritte mit lautpoetischen Arbeiten im Übergangsbereich zwischen Sprache und Musik (Basel, Bern, Wil).
Macht seit 1999 improvisierte Musik mit dem Computer und spielt seit demselben Jahr mit Christoph Schiller (Klavier und Spinett) in einem festen Duo (Auftritte in Basel, Zürich, Bern, Mulhouse und Strasbourg).
Spielt als "bloom" solo und in verschiedenen Duos.
Seit kurzem existiert das Quartett "Rosetta Stone" mit P.B., dem Saxophonisten Bertrand Gauguet (Paris), dem Perkussionisten Alexandre Kittel (Mulhouse) und dem Spinet-Spieler Christoph Schiller.
Von Zeit zu Zeit erhält er die Möglichkeit, eine Klanginstallation zu machen (u.a. beim Projekt "Tram-Sphère" in einem ehemaligen Tramdepot in Zürich - und im Treppenhaus des "Progr" in Bern im Rahmen der "Leerraum"-Reihe von Klanginstallationen) oder in einer Aufführung komponierter Musik mitzuwirken (Werke von John Cage, Manfred Werder und Michael Pisaro).
Eine Solo-CD ist 2004 beim Label Leerraum erschienen ("bloom - tristan da cunha"), 2005 eine Duo-CD mit Christoph Schiller beim portugiesischen label creative sources ("Savagnières").
Er schreibt unregelmässig für die Aargauer und die Basellandschaftliche Zeitung und für die Schweizer Zeitschrift für Neue Musik "dissonanz/dissonance" über elektronische, elektroakustische, improvisierte und/oder komponierte zeitgenössische Musik.
Anfang 2006 hat er eine Ausbildung im Bereich Erwachsenenbildung (mit Schwerpunkt "Themenzentrierte Interaktion") begonnen.
Seit 2007 macht der die Pressearbeit des Konzertorganisators moments musicaux Aarau.
Er lebt mit der Pianistin Tanja Masanti zusammen und ist seit 2000 Vater von Lea Lisa Philomena (mit Job-Sharing).
www.sonic-bloom.ch

 

In den Alltag zurück
Von Urs Grether

"Peter Baumgartner-PowerBook" steht auf dem Cover der CD mit Improvisationen, die er - geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit Martin Heidegger - "Das alltägliche Selbstsein" betitelt hat: Baumgartner, 1967 geboren, tritt viermal in Basler Brockenstuben auf.
Baumgartners "Loop-Brocktober" ist das erste Projekt, das er komplett in Eigenregie durchgezogen hat.
Im Grunde liegt die Parallele zwischen dem Second-Hand-Gedanken der "Brockis" und dem Sampling-Vorgang durch den Computer auf der Hand. Aber Baumgartner hat nicht die blosse Beschallung der Orte im Sinn. Die Grenzen zwischen Klanginstallation und Konzertrahmen sind fliessen: Es geht ihm um diese Schnittstelle zwischen Alltag und (aus dem Alltag herausgehobener) Konzert-Situation.
Er gestaltet längere, beatlose Kompositionen, die sich viel Zeit nehmen. Das unterscheidet sein Projekt wohltuend von der gnadenlos durchgestylten, aus Zürich importierten Beat-Tapete namens "Rundfunk.fm", die derzeit an ausgewählten "In-Places" und auf Radio X durchexerziert wird.
Zwischen den 100000 Büchern des "Bücher-Brockis" im Gundeli gestaltet Baumgartner am Abend eine halbstündige Komposition, die er mit Regengeräuschen, Glasklängen und Kuhglocken rahmt. In der Mitte kommen die Papier- und Lüftungsgeräusche zu Ehren, die beim Nachmittagsauftritt einen Fonds legten.
Am Nachmittag traten die Stimmen und Schritte der Kundschaft, der Bedienung, Das Hupen, Handys und ein Rasenmäher auf dem Dach mit den Klängen in einen Dialog. Als die Klänge verstummt sind, empfand ich einen Verlust wie über einen Freund, der fort ist: Ich war wieder allein mit mir selbst.
Baumgartner, der mit Pedalen und zusätzlich angehängten Geräten (Keyboard, "MIDI"-Regler) eine ergonomische Stellung für sein Spiel wählt, hat am frühen Nachmittag noch Aufnahmen gemacht. Wie er mit kleinsten und sorgfältigsten Bewegungen des Aufnahme-Miks weite Klangräume durchmisst, mache für ihn das Element des eigentlich Virtuosen bei seiner Arbeit aus.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung (hier leicht gekürzt)

 

 

4 Matineen: Musik, Reflexion & Diskussion
Musikakademie, Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Basel
Sonntag, 11.00 – 12.30 Uhr

11. Februar 2007mit Mischa Käser:
18. März 2007 mit Matthias Schwabe:
Sichtbare Musik (visual music)
29. April 2007 mit Sylwia Zytynska: Geste(r)n und Morgen
13. Mai 2007 mit Peter Baumgartner: Kritik der Geste

 

1 Soiree: 4 Porträts
Gare du Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel
Samstag, 2. Juni 2007

18.00 1. Porträt (genaue Angaben folgen)
19.00 2. Porträt
20.00 3. Porträt
21.00 4. Porträt

Mischa Käser – Stimme, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott, Matthias Schwabe – Klavier, Sylwia Zytynska – Schlagzeug, Peter Baumgartner – Powerbook

 

20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-* Soiree, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Soiree

*Ermässigung für SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
Der Eintritt gilt für alle 4 Porträts am 2. Juni

 

 

Herzlichen Dank der Musik-Akademie der Stadt Basel - Allgemeine Musikschule (Freie Kurse), dem Fachausschuss BS/BL Musik, der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung Winterthur, der Artephila Stiftung für ihre Unterstützung !

 

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frühere Veranstaltungen:

 

14. Dezember 2003
Matthias Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben viele Köche den Brei?

25. Januar 2004
Rudolf Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen und einigen illusionären Visionen.

14. März 2004
Alfred Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation. Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.

25. April 2004
Walter Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?

6. Juni 2004
John P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine etwas verspielte Musikgeschichte

16. Januar 2005
Peter K Frey
Improvisierte Musik im Internet
: Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte Musik

27. Februar 2005
Marianne Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen

22. Mai 2005
Christoph Schiller
Präparieren, Manipulieren: die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten Musik

19. Juni 2005
Lukas Rohner
Mehrstimmiges Blasen: Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit neuerfundenen Tastenblasinstrumenten

12. Juni 2005
“Faites vos Jeux”
Nocturne-Konzert: Peter K Frey
- Kontrabass, Marianne Schuppe - Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott

22. Januar 2006
Urban Mäder
Es gibt nur Improvisation

12. Februar 2006
Philippe Micol
Improvisation: Die Kraft der Freiheit

26. März 2006
Michel Seigner
"Freie Improvisation"- Ein irreführender Begriff

7. Mai 2006
Hans-Jürg Meier
Formale Verpflichtungen aus dem Moment

1. Juni 2006
Nocturne-Konzert
vo
n und mit: Hans-Jürg Meier – Blockflöten, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Philippe Micol – Klarinette/Saxophon, Nicolas Rihs - Fagott, Michel Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder – Klavier

 

 

 

 

 
Hansjürgen Wäldele 0(049)7626 1041 Entfernen Sie bei der Email-Adresse die Tiefstriche (Underscores) am Anfang und am Schluss
 
Entfernen Sie bei der Email-Adresse die Tiefstriche (Underscores) am Anfang und am Schluss Nicolas Rihs 0(041)32 / 322 17 53
 
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Stand: 06.05.2007