2. Matinee mit Philippe Micol
22.1.-1.6.2006 Wie "frei" ist Freie Improvisation? 4 Matineen + 1 Nocturne
 
   
 
 
 

vom Potential einer musikalischen Geste
Aspekte der Freien Improvisation

 

Wie „frei“ ist Freie Improvisation?
Wo mündet Freiheit in Beliebigkeit?
Von der Kraft der Grenzen und der Lust ihrer Beschreitung.

 

2. Matinee mit Musik, Reflexion und Diskussion

Sonntag, 12. Februar 2006, 11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse 70, 4058 Basel

Hansjürgen Wäldele, Nicolas Rihs und Philippe Micol


Improvisation: Die Kraft der Freiheit

"Qu'est-ce que le swing? Etre soi, c'est cela, le swing!"
(Jimmy Giuffre)
"Nehmt euch die Freiheit, sonst kommt sie nie."
(Wolf Biermann)
"Aus der Freiheit führt kein Weg zurück"
(Georg Kreisler)


Die heute zunehmend unter Improvisatoren grassierende Scheu oder Angst, das Wörtchen "frei" in die Beschreibung ihrer musikalischen Tätigkeit aufzunehmen, enthält der Bedeutung, die der Kraft der Befreiung - oder positiv formuliert: der Kraft der Selbstfindung und Selbstbestimmung - im Kontext der frei improvisierten Musik und ihrer nun etwa vierzig Jahre alten Geschichte zukommt, die ihr angemessene Würdigung vor.
Improvisation allgemein, freie Improvisation aber in einem bisher nicht erreichten Mass thematisiert die Präsenz, Rolle und Wirkung von Freiheit im Prozess der Musikerzeugung, diesem stets gesellschaftlich relevanten Bereich der Begegnung des Geistigen, Emotionalen und Sinnlichen.
So lasst uns hier einmal schwerpunktmässig von der Freiheit reden, worin sie besteht, was sie mit sich bringt und was sie von uns verlangt, wenn wir uns ihr zuwenden und uns ihr verschreiben.
"Freiheit ist dann, wenn es mir gelingt, ja zu sagen zu allem was ist, allem was war und allem was kommt. Dann bin ich frei von Zwängen, frei vom Widerspruchsgeist. Dann bin ich frei, meinen Gestaltungswillen zu ergreifen und mit ihm einen Gedanken, ein Lied, eine Tat zu gestalten." Ruth Bamberg
Aus solch einem Augenblick der Freiheit heraus springen wir in der Improvisation ins Ungewisse, brechen durch zu allen möglichen Klängen. Wir überraschen uns selbst. Die an den Anfang gestellte Stille, der Zustand der Möglichkeit aller Richtungen, zu dem wir auch immer wiederzurückkehren, ist eine grundlegende Affirmation und gleichzeitig Brennpunkt des Freien.
Es ist ein erster Schritt zu begreifen, dass wir ein Zelt auch ohne Bauplan errichten können: sich frei machen von Vorgaben. Doch der zweite Schritt ist der wesentliche, sich von Zelt und Bauplan zu verabschieden und sich ins Unabsehbare zu stürzen, offen für das, was als nächstes kommt: sich frei machen von der rationalen Kontrolle unseres Tuns, sich der Intuition überlassen. Der dritte Schritt ist Gestaltung, wir schieben, stossen und ziehen, bringen unseren Willen und unsere Absichten ins Spiel, lassen aber auch geschehen, lassen auch wieder los: die Freiheit, aus einer Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten zu wählen, die sich jedoch an dem, was der Kontext, in dem wir stehen, uns vorgibt, aussteuern muss.

 


Philippe Micol

geboren 1955, lebt seit einigen Jahren in Duisburg. Über eine klassische Ausbildung, die Beschäftigung mit Neuer und Experimenteller Musik sowie mit neuen Tendenzen im Jazz kam er zur Improvisierten Musik. 1982 Initiator der Werkstatt für Improvisierte Musik Bern. Klarinettist, Saxophonist, Interpret experimenteller Musik , Komponist, Improvisator. Zusammenarbeit mit Performance-Künstlerinnen, internationale Konzerttätigkeit, Rundfunkproduktionen, Kollaboration in interdisziplinären Zusammenhängen. Auch in vielen Projekten anderer Musiker und Künstler beteiligt. Aufenthalte in Berlin 1984 und 1993 in NYC. Mit Ruth Bamberg arbeitet er seit 1995 an Klang/Video-Projekten. Gemeinsame Buchveröffentlichung im Autorenverlag Matern. Elektronische Musik. Verschiedene Tonträger bei Unit Records Switzerland und NurNichtNur, Kleve, und im Eigenverlag.

"... Philippe Micol ist ein Tüftler, ein Forscher, ein Suchender; keiner, der definitive Meinungen hinstellt, keiner, dem der Klang so und derart absolut wäre. Micol ist eher ein Jongleur, ein Mobilekünstler."

Jazzthetik

 

 

weitere Veranstaltungen:

 

4 Matineen: Musik, Reflexion und Diskussion
Allgemeine Musikschule Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Basel

Sonntag, 22. Januar 2006, 11h00-12h30 mit Urban Mäder
Sonntag, 12. Februar 2006, 11h00-12h30 mit Philippe Micol
Sonntag, 26. März 2006, 11h00-12h30 mit Michel Seigner
Sonntag, 7. Mai 2006, 11h00-12h30 mit Hans-Jürg Meier

 

1 Nocturne-Konzert
Gare du Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel

Donnerstag, 1. Juni 2006, 19h30 Millefleurs und Gäste – Eine Konzertreihe

Donnerstag, 1. Juni 2006, 21h00
Hans-Jürg Meier
– Blockflöten, Hansjürgen Wäldele - Oboe,
Philippe Micol – Klarinette/Saxophon,
Nicolas Rihs - Fagott,
Michel Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder – Klavier

20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-* Nocturne°, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Nocturne°

*Ermässigung für SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
°Der Eintritt gilt ebenfalls für das Millefleurs Konzert am 1. Juni um 19.30

 

 

 

Herzlichen Dank der Musik-Akademie der Stadt Basel (Freie Kurse), dem Fachausschuss BS/BL Musik, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung Winterthur, der Schweizerischen Interpreten-Stiftung, dem Schweizerischen Tonkünstlerverband für ihre Unterstützung !

 

 

 

 

frühere Veranstaltungen:

 

14. Dezember 2003
Matthias Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben viele Köche den Brei?

25. Januar 2004
Rudolf Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen und einigen illusionären Visionen.

14. März 2004
Alfred Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation. Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.

25. April 2004
Walter Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?

6. Juni 2004
John P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine etwas verspielte Musikgeschichte

16. Januar 2005
Peter K Frey
Improvisierte Musik im Internet
: Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte Musik

27. Februar 2005
Marianne Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen

22. Mai 2005
Christoph Schiller
Präparieren, Manipulieren: die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten Musik

19. Juni 2005
Lukas Rohner
Mehrstimmiges Blasen: Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit neuerfundenen Tastenblasinstrumenten

12. Juni 2005
“Faites vos Jeux”
Nocturne-Konzert: Peter K Frey
- Kontrabass, Marianne Schuppe - Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott

 

 
Nicolas Rihs 0(041)32 / 322 17 53
 
Hansjürgen Wäldele 0(049)762 61041
 
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Stand: 09.03.2006